Viersener Verkehrsschildern gefolgt: Geheimnis um den ‚Waldschrat‘ vom Hohen Busch aufgeklärt

Drei Jahre lang lebte ein 58-Jähriger verwahrlost auf dem Hohen Busch als Einsiedler, ernährte sich von Wurzeln, Maden und Low-Carb-Riegeln – weil er den Viersener Verkehrsschildern ‚Alle Ziele‘ gefolgt war.

Foto: Rheinischer Spiegel

Viersen – Kritiker weisen bereits seit langem auf die Gefahren hin, die die Verkehrsschilder ‚Alle Ziele’ mit sich bringen und mit denen die Viersener Hauptverkehrsadern durchzogen sind. Andere haben es lange aufgegeben verständnislos mit dem Kopf zu schütteln, doch für Hartmut Verlust (58) wurden diese Schilder zu einer verwirrenden Falle. Mit dem kleinen Haus in Viersen haben sich Marion und Hartmut Verlust vor fast vier Jahren ihren Traum erfüllt, hatten dazu ihre Geburtsstadt am Rhein verlassen. Bereits wenige Tage nach ihrem Umzug verschwand Hartmut Verlust spurlos, hatte morgens das Haus verlassen um Brötchen zu kaufen.

Großangelegte Suchaktionen verliefen erfolglos. Marion Verlust (51) hatte die Hoffnung nach rund drei Jahren fast aufgegeben, als sich in Viersen die Gerüchte zu einem Einsiedler auf dem Hohen Busch verbreiteten. Spaziergänger berichteten von einem ‚Waldschrat‘, der sich besonders in den Dämmerstunden scheu zwischen den Bäumen versteckte. Aus den Gerüchten wurde Gewissheit, als ein Mann mit langem Bart, abgemagerter Struktur und zerrissener Hose versuchte mit einer Falle aus geflochtenen Haarbändern und einem Fußball ohne Luft einen Chihuahua zu jagen, der von einer Viersenerin auf dem Hohen Busch ausgeführt wurde.

Das ungewöhnliche Phänomen, welches eher den tiefen Dschungelregionen oder den Bergregionen um den Himalaya zugeordnet wird, nahm der Amazonas-Forscher Prof. Prof. N. Ichtganzdicht zum Anlass wochenlang mit einer versteckten Kamera die Viersener Waldregion zu durchstreifen. „Seine Sprache klang nach unverständlichen Klicklauten, unbeholfen versuchte er eine Waldmäuse zu jagen“, so der Wissenschaftler, der den Tagesablauf des Urmenschen ähnelnden Waldbewohners in einer Forschungsarbeit veröffentlichte. In einem Fernsehbericht über den Sensationsfund erkannte Marion Verlust ihren Ehemann, der heute wieder bei ihr wohnt. Mehrere Monate hatte die Rückführung ihres Mannes zu ihr gedauert, denn die Behörden folgten zunächst einem Gutachten von Prof. Prof. N. Ichtganzdicht, der das „Herausreißen“ aus dem heimatlichen Waldumfeld als kritisch ansah und von einer Gefährdung des Ökosystems Hoher Busch sprach. Erst ein Gericht entschied nach langem Kampf zugunsten der Ehefrau.

Ein Besuch bei den Eheleuten Verlust zu Hause in den vergangenen Tagen gibt die aktuelle Situation wieder. Hartmut Verlust klettert gerade über das Treppengeländer auf der Jagd nach der getigerten Hauskatze. „Einen Moment bitte“, sagt Marion Verlust hektisch und hebt die verwirrte Katze hoch. „Hartmut, wir essen die Katze nicht. Ich habe im Wohnzimmer etwas zum Knabbern vorbereitet.“ Sie bittet uns herein und berichtet gerne. „Die ersten Wochen waren schlimm. Mein Mann hatte unsere Sprache vollständig verlernt, wusste nicht mehr mit Messer und Gabel zu essen oder gar die Toilette zu benutzen“, erinnert sie sich. Immer noch kann er sich nicht richtig verständigen, sitzt hinter der Couch und beobachtet ängstlich das Gespräch. „Erst mit fachkundiger Hilfe habe ich herausfinden können, was mit ihm passiert ist“, so Marion Verlust und schwankt zwischen Wut- und Freudentränen.

„Auf der Suche nach einer Bäckerei war mein Mann den Schildern ‚Alle Ziele‘ gefolgt und hat sich so in Viersen verlaufen.“ Hilflos und verzweifelt hatte er weder eine Bäckerei, noch den Weg nach Hause gefunden. Seine Labyrinth-ähnliche Suche fand ein Ende auf dem Hohen Busch. Völlig eingeschüchtert fand er Schutz in einer Holzhütte, traute sich völlig verängstigt nicht mehr hinaus oder zur Kontaktaufnahme mit anderen Menschen. Verstört durch die irreführenden Schilder wurde er zum Einsiedler, ernährte sich zunächst von Wurzeln und Maden, später von kleineren Waldbewohnern. Der auf 40 Kilogramm abgemagerte, hungernde und Wildnis-unerfahrene Mann griff so irgendwann Spaziergänger an, ernährte sich unter anderem von Low-Carb-Riegeln aus vor Schreck weggeworfenen Handtaschen.
Bis Hartmut Verlust seinen beängstigenden Leidensweg überwunden hat wird es noch einige Monate dauern, berichtet seine Frau und übt scharfe Kritik an der Viersener Beschilderung. Mit einer Gruppe Mitstreiter will sie dafür kämpfen, dass die gefährlichen Schilder aus dem Stadtbild verschwinden bevor ein anderer ihnen zum Opfer fällt. Doch bis dahin ist sie glücklich, dass sie ihren Mann wieder an ihrer Seite hat. (dt)

Achtung Satire! Geneigter Leser, Sie haben völlig Recht, dieser Bericht stammt aus dem Land der journalistischen Fantasie. Unsere kleine Reihe soll Ihnen auch heute wieder ein Schmunzeln abringen und wenn wir das geschafft haben, dann haben wir unser Ziel erreicht. Ein Schmunzeln, mit dem Ihr Tag beginnen soll und wir ein erholsames und fantastisches Wochenende einläuten wollen – Ihr Team des Rheinischen Spiegels.