Nur familienfreundliche Unternehmen überleben

Die deutsche Gesellschaft schrumpft und altert. Das ist Demografie Experten seit langem klar. Auch im Kreis Viersen wird es nach Berechnungen des Landes NRW bis 2035 ein deutlich zweistelliger Bevölkerungsrückgang geben.

Kreis Viersen – Für die Wirtschaft heißt das, der Kampf um Arbeitskräfte wird noch einmal deutlich härter. Konnten sich früher auch weniger attraktive Unternehmen die Bewerber aussuchen, hat sich der Arbeitsmarkt in einigen Branchen bereits jetzt umgekehrt. Krankenhäuser und Physiotherapiepraxen, Handwerksbetriebe und IT-Dienstleister suchen händeringend nach geeigneten MitarbeiterInnen.

Fast eine Million pflegende Angehörige

In fast 40 Prozent der akademischen Berufe und fast 60 Prozent der Ausbildungsberufe fehlt es an Fachkräften, erklärt Zuzana Blazek vom Institut der Deutschen Wirtschaft in ihrem Vortrag für das Kompetenzzentrum Frau und Beruf Mittlerer Niederrhein. Wobei dieses Problem kleine und mittlere Unternehmen in noch weit stärkerem Maße trifft als Großkonzerne. Zusätzlich verschärft wird der dramatische Mitarbeiterschwund durch die steigende Zahl von Pflegebedürftigen, von denen mehr als jeder Dritte zu Hause gepflegt wird. Fast eine Million pflegende Angehörige, davon etwa 90 Prozent Frauen, stehen dem Arbeitsmarkt schon heute nur noch begrenzt zur Verfügung. Und die Zahl der Pflegebedürftigen wird in den nächsten Jahrzehnten noch einmal deutlich steigen.

Unternehmen, die überleben wollen, bleibt nichts anderes übrig, als auf die geänderte Situation zu reagieren. Sie werden auf das steigende Bedürfnis, Familie und Beruf zu vereinbaren, eingehen müssen. Denn „Work-Life-Balance bzw. Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ steht in aktuellen Umfragen immer an der Spitze der Bewerberwünsche.

„Es gibt viele familienfreundliche Maßnahmen z.B. Wiedereinstiegsmanagement, Führen in Teilzeit, flexible Arbeitszeiten“, so Birgit Weber vom Kompetenzzentrum, „die nicht nur die Arbeitgeberattraktivität erhöht, sondern sich auch noch rechnen.“

Positives Beispiel aus Willich

Ein Unternehmen, dass dies erkannt hat, ist die Willicher Kommunikationsagentur CGW, die vor über 30 Jahren von Christina Guth gegründet wurde, weil sie die damals üblichen Werbeagentur-Arbeitszeiten nicht mit ihrer Familie vereinbaren konnte. Heute sind bei CGW individuelle Arbeitszeiten und die Möglichkeit von Homeoffice eine Selbstverständlichkeit, wie Kristiane Guth, Tochter der Gründerin, betont. In dem Unternehmen arbeiten heute 21 Frauen und 5 Männer. Mitarbeiterinnen werden auch über Babypausen hinaus an die Agentur gebunden. Wiedereinstiege werden gemeinsam geplant.

Akteure und Veranstalter: Birgit Weber, Kristiane Guth, Zuzanna Blazek, Dr. Thomas Jablonski (v.l.). Foto: Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Viersen mbH

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