Kleinmarkthalle Frankfurt: Shoppen mit besonderem Flair

Auf rund 1.500 Quadratmetern präsentiert sich die Kleinmarkthalle Frankfurt als ungewöhnliches Einzelhandelszentrum. Mit ihrem einzigartigen Flair ist sie jedoch viel mehr, lockt Touristen und ist beliebter Treffpunkt für Feinschmecker.

Foto: Rheinischer Spiegel

Reisen/Frankfurt – Obst, Gemüse, schmackhafter Käse, herzhafte Salami, in der Frankfurter Kleinmarkthalle bieten über 60 Händler an rund 150 Marktständen an Werktagen ihre Waren an. Ohne einen Besuch in der Kleinmarkthalle hat man Frankfurt nicht wirklich gesehen. Neben regionalen Spezialitäten werden hier auch importierte Leckereien angeboten. Überall lässt sich kosten und wer dann auf den Geschmack gekommen ist, der findet hier garantiert das passende kulinarische Angebot an den vielfältigen Lokalen um den Magen zu füllen.

Bereits 1877 bis 1897 entstand die erste Markthalle auf dem Gelände Fahrgasse und Hasengasse. Gebaut im Stil der Neorenaissance erhob sich eine verglaste Eisenkonstruktion in Form einer dreischiffigen basilikalen Halle, welche bis zur Eröffnung der Großmarkthalle 1928 ebenfalls dem Großhandel diente. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde sogar eine Straßenbahnlinie gebaut, die die Fahrgasse mit den besser betuchtem Wohngebiet am Westend verband – „Dienstmädchenlinie“ im Volksmund genannt. Die Halle wurde im März 1944 während des zweiten Weltkriegs zerstört, 1954 ungefähr 200 Meter südwestlich zwischen Hasengasse und Liebfrauenberg wieder aufgebaut.
Mittlerweile steht das Gebäude unter Denkmalschutz, muss renoviert werden. Als 2005 die Verwaltung vorschlug die Halle durch einen Neubau zu ersetzen, wehrten sich die Frankfurter mit starker Kritik und der Plan wurde zurückgezogen. Danach folgten über die Jahre Planungen zur Sanierung, die bis heute nicht vollständig umgesetzt wurden.

Foto: Rheinischer Spiegel

Sicher ist: Ein Besuch in der Kleinmarkthalle ist nicht vollständig, isst man bei Ilse Schreiber (Metzgerei Schreiber) nicht ein frisches, noch heißes Stück Fleisch- oder Rindswurst – mit oder ohne Knoblauch – direkt auf die Hand mit gutem Senf ergänzt. Ilse Schreiber ist weit mehr als eine lokale Berühmtheit, sie und ihre Wurst, beide sind Kult. Zwölf Quadratmeter ist ihr Stand gerade mal groß, liegt auf der bekannten Metzgermeile der Kleinmarkthalle. Ilse Schreiber ist jeden Tag vor Ort, selbst am Samstag bis 16 Uhr. Sommerpause? Schon lange nicht mehr. Ihr Stand ist eine Attraktion in der Halle für sich. Die Würzmischung ihres mittlerweile verstorbenen Mannes, selbst Metzger, heimst heute noch Preise ein und zieht die Touristen aus der ganzen Welt an. Ihnen allen stellt sie mit einem Lächeln die Frage: „Soll ich die Haut abziehen?“, erklärt geduldig die Unterschiede der Wurstsorten, während ihre Mitarbeiterin bereits Brot und Senf bereit legt. Kein Wunder, dass man hier meist etwas warten muss, der Andrang ist groß – und es lohnt sich. (tk)