IHK stellt neue Studie vor: Energiepolitische Weichenstellungen sind für die Gesamtregion bedeutsam

Die Arbeit der sogenannten Kohlekommission, die jetzt von der Bundesregierung eingesetzt wurde, ist für die Region von herausragender Bedeutung. Schließlich sollen die Mitglieder unter anderem einen Plan zur schrittweisen Beendigung der Kohleverstromung vorlegen.

Stellten die Studie „Die Bedeutung des Wertschöpfungsfaktors Energie in den Regionen Aachen, Köln und Mittlerer Niederrhein“ vor (v.l.): Oliver Hommel (kaufmännischer Geschäftsführer der Alunorf GmbH), Jürgen Steinmetz (Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein), Dr. Ron Brinitzer (Geschäftsführer Innovation/Umwelt der IHK Mittlerer Niederrhein) und Christoph Budde (Leiter des Rheinwerks von Hydro Aluminium in Neuss). Foto: IHK

Wirtschaft – Wie relevant die Arbeitsergebnisse besonders auch für unsere Region sein werden, verdeutlicht die Studie „Die Bedeutung des Wertschöpfungsfaktors Energie in den Regionen Aachen, Köln und Mittlerer Niederrhein“, die von den Industrie- und Handelskammern (IHKs) der Region beim Institut Frontier Economics in Auftrag gegeben wurde.

„Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass energiepolitische Weichenstellungen nicht nur für die Energieerzeuger und die energieintensiven Industrien, sondern für die Wirtschaft am Niederrhein insgesamt bedeutsam sind“, betont Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. Gemeinsam mit Unternehmensvertretern von Hydro Aluminium Rolled Products und Alunorf, die an der Studie im Rahmen eines Fallbeispiels mitgewirkt haben, hat er die Studie im Rheinwerk in Neuss vorgestellt.

Laut der Frontier-Studie liegt der Anteil der energieintensiven Industrien an der Wertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes im Raum Mittlerer Niederrhein, Köln und Aachen bei 29 Prozent und damit weit über dem Landes- und dem Bundeswert mit 21 beziehungsweise 15 Prozent. Den größten Anteil an dieser Wertschöpfung haben am Mittleren Niederrhein die Chemische Industrie (47 Prozent), die Hersteller von Nahrungs- und Futtermitteln (31 Prozent) und die Nichteisen-Metallindustrie (10 Prozent). „Diese Branchen sind auch für den Arbeitsmarkt von großer Bedeutung“, erklärt Dr. Ron Brinitzer, Geschäftsführer Innovation/Umwelt der IHK Mittlerer Niederrhein. „In unserer Region sind mit 35.137 Mitarbeitern rund 8,6 Prozent aller Beschäftigten in energieintensiven Branchen tätig.“

Darüber hinaus treiben die energieintensiven Branchen durch ihre Leistungsbeziehungen mit anderen Unternehmen den Umsatz einer ganzen Reihe anderer Branchen und Unternehmen an, wie die Frontier-Studie belegt. „Auf jeweils vier Euro Umsatz in den energieintensiven Betrieben kommt noch einmal ein Euro Umsatz bei Zulieferern und Dienstleistern entlang der Wertschöpfungskette in den drei IHK-Bezirken“, erläutert Brinitzer. So führen 32,4 Milliarden Euro Umsatz in den energieintensiven Unternehmen in der Region letztlich zu 39,8 Milliarden Euro Umsatz für die Gesamtregion und schlussendlich zu 81 Milliarden Euro auf Bundesebene. „Das belebt natürlich auch den Arbeitsmarkt. Auf drei Beschäftigte in den energieintensiven Branchen kommt ein weiterer Arbeitsplatz in anderen Branchen, sodass wir in den drei IHK-Bezirken Aachen, Köln und Mittlerer Niederrhein rund 125.200 Beschäftigte dank der energieintensiven Unternehmen haben.“ Noch größer ist dieser Effekt auf Bundesebene: Die ursprünglich 93.300 Beschäftigten in den energieintensiven Branchen der Region führen bundesweit zu einer Beschäftigung von rund 324.500 Menschen (+250 Prozent).

Diese Zahlen entstehen, weil viele energieintensive Unternehmen in lange Wertschöpfungsketten eingebunden sind. Oliver Hommel, kaufmännischer Geschäftsführer der Alunorf GmbH, macht dies am Beispiel der Aluminiumindustrie deutlich, die als Fallbeispiel in der Studie dargestellt wird: „Ausgangspunkt des Neusser Aludreiecks ist das Neusser Rheinwerk, wo Primäraluminium hergestellt wird.“ In einem nächsten Schritt werden die Barren dann im Walzwerk Alu Norf zu Bändern verarbeitet und im Hydrowerk in Grevenbroich schließlich veredelt. Für Christoph Budde, Leiter des Rheinwerks von Hydro Aluminium in Neuss, ist deshalb offensichtlich, „dass in einer solchen Wertschöpfungskette ein Zahnrad ins andere greift und deshalb der Verbund mit allen vor- und nachgelagerten Stufen immer als Ganzes betrachtet werden muss“. Eine Fokussierung auf einzelne energieintensivste Prozesse sei unzureichend.

Steinmetz appelliert an die Politik, die Ergebnisse der Studie ernst zu nehmen: „Bei den jetzt anstehenden Weichenstellungen der Kohlekommission geht es nicht nur um die Abschaltung einiger Kraftwerke. Es geht um diejenigen, die den dort erzeugten Strom dringend benötigen, um damit Güter, Wertschöpfung und schließlich Arbeitsplätze zu schaffen. Das sind bei uns besonders viele, und sie sind zu jeder Zeit auf eine sichere und bezahlbare Stromversorgung angewiesen.“ Bevor man Kraftwerke in großem Stil vom Netz nehme, müsse man mit Blick auf die Versorgungssicherheit und auf bezahlbare Preise eine gleichwertige Alternative bieten, um die unmittel- und mittelbar von Energie abhängigen Unternehmen nicht zu gefährden.

Aufgrund der engen Verflechtungen und Abhängigkeiten von energieintensiven und anderen Branchen rät der IHK-Hauptgeschäftsführer dazu, die Auswirkungen von neuen energiepolitischen Weichenstellungen vorab genau zu prüfen: „Vermeintlich nur für energieintensive Betriebe geltende Regelungen können gravierende Auswirkungen auf andere Unternehmen und Branchen haben, dem Wirtschaftsstandort insgesamt schaden und letztlich auch Arbeitsplätze gefährden.“ Die Studie ist als PDF-Datei zum Download verfügbar unter: www.mittlerer-niederrhein.ihk.de/18352