Der Charme des Zerfalls in den verlassenen Rapido-Hallen

Es ist still – überall liegen lose Aktenblätter, ganze Ordner und Überreste verteilt in den Ecken, erinnern an die Produktion, die bis 2002 die riesigen Hallen des alten Rapido-Geländes zum Leben erweckt hatte. Heute stehen sie leer, suchen einen Käufer und bieten eine fantastische Umgebung für Fotografen und Künstler.

Viersen – Das heute leerstehende Grundstück war in den vergangenen Wochen immer wieder durch Brandstiftungen in die Öffentlichkeit gerückt worden, gehört heute einer Immobilienfirma in Luxemburg, über die nichts Näheres bekannt ist. Ursprünglich waren die Hallen, die in den 70er Jahren sogar an Schienen angebunden waren, an den italienischen Hersteller von Heizungen Ferroli verkauft worden, die in Viersen ihre deutschlandweite Vertretung aufbauen wollten. Nach dem Wechsel des Besitzers wechselten die Geschäftsführer regelmäßig, Ende 2010 waren nur noch sechs Mitarbeiter vor Ort und kümmerten sich um den logistischen Bereich, bevor der Standort ins sächsische Pulsnitz verlagert wurde. Ende 2012 schloss Ferroli auch diesen Standort. 2015 starb der Inhaber, die Firma ging auf seine Tochter Paula Ferroli über. Zu diesem Zeitpunkt konnten die Viersener Hallen für 4,14 Millionen Euro erstanden werden, wofür sich kein Käufer fand. Mit der Zeit sank der Kaufpreis und die Hallen wurden nach Luxemburg veräußert. Ein Kontakt zu dem heutigen Besitzer besteht nicht. Die Entrümpelung und die Vertretung in Deutschland übernahm noch vor dem Verkauf die Mönchengladbacher Firma Siegesbau GbR, die sich bis heute um die verwaisten Hallen kümmert.

Diese Firma ist es auch, die aktuell in Verkaufsverhandlungen mit Interessenten steht, liegt das innenstadtnahe Mischgebiet mit seinen 21.460 qm doch ideal für Investoren mit Visionen. Positiv daran, nur die erste Fassade ist denkmalgeschützt, die Hallen selbst fallen nicht unter eine solche Bauproblematik. Doch der Zerfall ist unübersehbar, weshalb gerade Künstler und Fotografen hier in Viersen eine außergewöhnliche Kulisse gefunden haben. Immer wieder verschafften sich Jugendliche Zugang zu dem Gelände, sogar Teufelsanbetungen wurden hier durchgeführt bei denen die Teilnehmer Tauben verbrannten und Pentagramme auf den Boden malten. Jeder, der hier unerlaubt aufgefunden wird, wird angezeigt. Dabei kennt die Polizei das Gelände übrigens gut, hat sie doch selber schon einen Übungseinsatz hier durchgeführt.

Filmproduzenten wie der Dülkener Nicolas Heinzel arbeiten in den Hallen, die einen morbiden Charme ausstrahlen und auch Siegesbau-Chef Daniel Przybysz ist jeden Samstagmittag vor Ort. „Es zieht mich einfach hierher“, berichtet er und seine Augen leuchten. „Es ist für mich einfach ein Muss, eine Leidenschaft.“ Sein großer Traum wären Veranstaltungen in der großen Halle, die mit einer Höhe von 17,5 Metern und einem intakten Boden ideal für Events geeignet ist und weshalb er erste Gespräche bereits mit der Viersener Verwaltung geführt hat. Noch sind es nur Ideen, trotzdem ist die Umsetzung bereits sichtbar, schließlich brummen hier demnächst auch die Drohnen mit 30-40 km/h durch einen Parcours, denn die Szene im Kreis wächst. (re)

Kontakt für alle Ideen, Träume und natürlich Fotografen: Siegesbau GbR, Mönchengladbach, deine.idee.fuers.rahserfeld@web.de. 

Foto: Martin Häming

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