Born to be Tischler: Innung sprach 26 junge Handwerker los und kürte Design-Sieger

Ein großer und besonders guter Jahrgang feierte mit der Tischler-Innung Kreis Viersen den erfolgreichen Abschluss der Ausbildung im Handwerk. Im Berufskolleg Viersen-Dülken erhob Obermeister Robert Hellmann 26 junge Tischler, darunter vier Frauen, offiziell in den Gesellenstand.

Die Preisträger des Design-Wettbewerbs „Die gute Form“ am Siegerstück von Jonas Kohnen (v.l.): Thomas Erkes (3. Platz), Jonas Kohnen (1. Platz), Annika Peterfeldt, Julia Kammler (beide Belobigungen) und der Zweitplatzierte Thilo Mai, der zugleich Jahrgangsbester in der Gesellenprüfung wurde.
Foto: Kreishandwerkerschaft Niederrhein

Kreis Viersen – Holz mochte Thilo Mai schon als Kind. Von klein auf packte der heute 24-Jährige mit an, wenn sein Vater als gelernter Tischler und Innenarchitekt etwas baute. Jetzt hat der Willicher ebenfalls die Lehre abgeschlossen – als Prüfungsbester. Das Top-Ergebnis kommt nicht von ungefähr, denn hier liebt jemand seinen Beruf: „Wir sind die Allrounder unter den Handwerkern. Mir machen Gestalten und Designen unfassbar Spaß. Es ist ein wunderschöner Beruf und ein ganz tolles Handwerk“, schwärmt Thilo Mai, der die Ausbildung in der Tischlerei von Stephan Kitschen in Viersen machte und sich im nächsten Jahr zum „Gestalter im Handwerk“ qualifizieren will. Mit seinem Gesellenstück, einem Schreibtisch aus Eiche und Nussbaum, belegte er den zweiten Platz im Designwettbewerb „Die gute Form“. Originell: Da Mai sich am liebsten mit dem Rad fortbewegt, hat er seine Schreibtischleuchte aus einer Fahrradlampe gefertigt.

Übertroffen wurde dieses Stück nur von Jonas Kohnen aus Tönisvorst, der sich ebenfalls einen Schreibtisch gebaut hat – als Ersatz für das Modell eines schwedischen Möbelhauses, das bisher in seinem Zimmer stand. Sein Sieger-Möbel im Designwettbewerb überzeugte die Jury mit klarer Gestaltung und dem modernen Mix aus massiver Eiche und einer Arbeitsplatte aus Linoleum. Und da der 20-Jährige später einmal seinen Meister machen und dann auch zu Hause arbeiten möchte, hat er Steckdosen und USB-Ladeanschlüsse gleich mit eingebaut. „Jetzt kann ich meinen alten Schreibtisch endlich ausrangieren“, freut sich Kohnen, der seinen Beruf in der Tischlerei Christian & Matthias Kohnen – sein Großcousin und Patenonkel – erlernte.

Obermeister Robert Hellmann (links) erhob die jungen Tischlerinnen und Tischler aus dem Kreis Viersen während der Lossprechungsfeier in den Gesellenstand.
Foto: Kreishandwerkerschaft Niederrhein

„Born to be Tischler – Sie haben es drauf“, sagte Danièle Hamdan, stellvertretende Leiterin des Berufskollegs Viersen-Dülken, den Gesellen in Anspielung auf die Nachwuchskampagne des Tischlerhandwerks. Die jungen Tischler hätten ein „Auge für Gestaltung, ein Ohr für Ihre Kunden und ein glückliches Händchen für den Werkstoff Holz“, fügte sie hinzu.

Die Leistung der bisherigen Auszubildenden würdigte die stellvertretende Landrätin Luise Fruhen: „Was heute ein frischgebackener Geselle kann, hätte vor einigen Jahrzehnten schon fast für einen Ingenieur gereicht.“ Um ihre Zukunft müsse sich der Nachwuchs nicht sorgen, denn: „Holz ist sexy. Es wird in allen Bereichen des Lebensumfeldes ein gefragter und sympathischer Werkstoff bleiben.“ Angesichts der Digitalisierung werde es Aufgabe der jungen Handwerker sein zu sehen, welche Investition die richtige sei und welche nicht.

Unter großem Beifall erhob Obermeister Robert Hellmann die Tischlerinnen und Tischler feierlich in den Gesellenstand. „Ihr habt euren Stern erreicht – anders als ,Die Mannschaft‘ bei der WM“, sagte er. Prüfungsvorsitzender Thomas Danners ehrte die Jahresbesten: Hinter Thilo Mai belegten Fabian Tohang aus Nettetal (Fa. Gerhard Becker) den zweiten und Annika Peterfeldt aus Willich (Fruhen Messebau GmbH & Co. KG, Viersen) den dritten Platz. Die von Innenarchitekt Jürgen Lübke erläuterte Reihenfolge beim Preis „Die gute Form“: Jonas Kohnen, Thilo Mai und Thomas Erkes aus Brüggen (Fa. Manfred Erkes). Belobigungen gab es für Annika Peterfeld und Julia Kammler aus Kempen (Fa. Michael Gisbertz).